stern FOTOGRAFIE Nr. 64 / 2011

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Bruce Gilden

stern Fotografie Nr. 64 zeigt Bruce Gildens doppelbödige Gangster-Shots: mit Hautnah-Porträts des preisgekrönten Street-Fotografen, Schwarz-weiß-Arbeiten unter East-End-Gangstern, der japanischen Yakuza und der russischen Mafia.

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"Mein Vater", sagt Bruce Gilden, "war ein Gangster und man hat mir erzählt, dass er einen pinkfarbenen Imperial Wagen fuhr. An das Auto kann ich mich erinnern, an die Farbe nicht." Das Zitat von Bruce Gilden, dem Mann der Straße unter den renommierten Magnum-Fotografen, verrät das Geheimnis seiner bestechenden Gangsterporträts: Statt in Farbe und aus der Distanz der Mittelschicht sind seine Bilder schwarz-weiße Schlaglichter, geschossen auf Atemnähe mit Bandenmitgliedern, Schlägern und Clan-Nachwuchs. Die Ausgabe Nr. 64 der Reihe stern Fotografie zeigt die beeindruckendsten Arbeiten des bedeutenden Fotografen. Das Portfolio nimmt den Betrachter mit in die vibrierende Stimmung von Gildens Bildern, der mit Street- Credibility und gesottener Lakonie ebenso mit harten Jungs aus dem East End wie mit russischen Schlägern und Gangstern der japanischen Yakuza auf Tuchfühlung geht.

Seine Arbeiten sind alles andere als dezent. Er rückt seinen Protagonisten sprichwörtlich auf die Pelle: In den Hinterhöfen, Strip-Lokalen und auf den Junkie-Strichen der siebziger und achtziger Jahre fängt Gilden die wahren Vorbilder des Gangsterklassikers "Good Fellas" von Martin Scorsese ein. Seine Aufnahmen zeigen die Gewalt von Verbrechern unmittelbar und großporig, jedoch nicht ohne feine Ironie: Gilden legt auch die martialische Selbstinszenierung frei, das teils bemühte Muskelspiel, den bewusst kriegerischen Ausdruck. Er schafft es dabei außerdem, die seltsame Inspiration des Verbrechens einzufangen, die schon Karl Marx beschrieb: Sie wird ausgelöst von dem Einbruch der Gewalt in die Monotonie unserer Alltagssicherheit. Durch den konsequenten Einsatz von Blitzlicht schafft Gilden Kontraste, die das Gesehene abstrahieren, bis nur das Wesentliche bleibt. Indem er dennoch die Hommage meidet, gelingen ihm fesselnde Menschenstudien von ethnologischer Schärfe.

Der 1946 in Brooklyn geborene Bruce Gilden ist der Pirat unter den Fotografen. Auch seine eigenen Wurzeln liegen "on the wrong side of the tracks", wie die Amerikaner sagen. Angezogen von den Unebenheiten der Gesellschaft studiert er nach der Schule erst Soziologie, versucht sich später im Schauspiel, bevor er zur Kamera findet. Schon in Gildens erster Reportage "Coney Island" gilt seine Faszination Anblicken, die aus der Normalität herausfallen: über- und untergewichtigen Badegästen sowie intimen Momenten. Der ausdrucksstarke Realist Gilden beobachtet die Nuancen von Menschen und Milieus - stets mit großer Integrität. Die Schauplätze seiner Werke reichen von den Straßen New Yorks bis Haiti, vom eingeschworenen Kreis irischer Pferdehändler bis zu den Geheimbünden der japanischen Unterwelt.

Art.-Nr. 971245
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