stern FOTOGRAFIE Nr. 70 / 2012

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Alison Jackson

Promi-Geschichten und Gerüchte verdichtet sie zu Bildern: Die neue Edition zeigt das Werk von Alison Jackson / Das dritte Extra Booklet Talent diesmal mit Jean Pigozzi

Inhaltsverzeichnis

Alison Jackson ist die Illusionskönigin unter den Fotografen: Sie weiß, wie man mit Doppelgängern Stars verblüffend real inszeniert.
Das zeigt die neue Edition von stern Fotografie Nr. 70.
Die Britin analysiert die Fantasie der Öffentlichkeit und hält sie auf Bildern fest. Ein Foto, schwarz-weiß, grobkörnig und unscharf, ein junges Paar ist zu sehen. Sind das nicht William und Kate? ''Das sind zwei normale Engländer", sagt Alison Jackson. Kaum einer der Prominenten auf ihren Bildern ist echt. Der Betrachter denkt, er sähe den Prinz und die Prinzessin - weil es seiner Vorstellung entspricht. Fotografie verführe dazu, sagt Alison Jackson, einem Foto zu glauben, obwohl man wisse, dass ein Bild nicht die ganze Wahrheit erzählen kann.

Die Fotografie der Engländerin lässt sich keinem Genre zuordnen - ausreichend Gemeinsamkeiten gibt es weder mit Reportage, Mode oder Porträt. Natürlich schmunzelt der Betrachter bei dem Bild der mutmaßlichen Queen auf der Toilette oder dem Foto, das scheinbar Pippa Middeltons Blick auf ihr entblößtes Hinterteil zeigt. Es ist eine Form der Fotografie, die mit dem Banalem und mit dem Humor spielt. Oft ritzt sie an der vulgären Seite der Fantasie entlang. Doch man würde die Künstlerin unterbewerten, beließe man es dabei. Verstörend an Jackson ist die Arbeit mit dem Medium, das die Wahrheit so vortäuscht, wie kein anderes: das Foto. Sie dreht den Spieß um. Sie macht aus Täuschung Entlarvung.

Die 1970 in Portsmouth geborene Alison Jackson wuchs in Südengland auf und fotografierte als Kind viel - aber ohne Plan und Interesse für technische Details. Nach der Schule ging sie nach London und studierte am Chelsea College of Art. Sie hatte einen Faible für Bildhauerei. Als Dokumentation ihrer Kunstobjekte fotografierte sie weiter. Kommerzielle Fotografie war für sie damals ein gepflegtes Feindbild, doch das Medium wurde ein interessanter Feind. Die Geburt ihrer Kunst erfolgte im August 1997, mit dem Tod Prinzessin Dianas. Alison Jackson zeigte Lady Di - inszeniert als Kunst-Installation mit Doubles: Diana und Dodi mit Baby.

Stern-Art Director Johannes Erler: "Was Lady Di zur riesigen Diana-Industrie sagen mag? Sie sitzt auf Wolke sieben und zeigt uns den Stinkefinger. Es sind wohl Gedanken, wie diese, die Alison Jackson bewegen, ihre Bilder zu machen: Wir finden uns darin wieder, weil wir selbst so denken. Denn in dem Maße, in dem der Zerrspiegel der Medien Superlative erschafft, die unbegreifbar werden, suchen wir nach Ventilen in die Realität. Manchmal aus Häme, manchmal aus Mitleid und manchmal, um uns selbst zu rechtfertigen."

Jean Pigozzi
stern Fotografie Talent 03: "Jean fotografiert die richtigen Stars in ihren schutzlosen Momenten. Er ist kein Paparazzo, aber er macht die Bilder, die diese gerne machen würden", sagt Alison Jackson über den 1952 in Paris geborenen Jean Pigozzi. Anfang der 60er Jahre fing Pigozzi an, das Leben seiner prominenten Freunde zu fotografieren. Er zeigte seine Bilder 1974 zum ersten Mal in einer Ausstellung in Paris. 2008 präsentierte die Helmut Newton Foundation in Berlin seine Ausstellung "Pigozzi and the Paparazzi". Heute lebt der Fotograf in Genf, New York und Panama.

Art.-Nr. 971407
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