stern FOTOGRAFIE Nr. 71 / 2013

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Yousuf Karsh

Der Welt-Porträtist im Anzug, mit einer 8x10 Plattenkamera von Calumet, Lampen, armenischem Akzent und empathischer Aura.
Die neue Edition zeigt das Werk von Yousuf Karsh / Das vierte Extra Booklet Talent diesmal mit Alma Haser

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Er war der Mann, der Churchill die Zigarre wegnahm und damit eine der größten Fotografien des 20. Jahrhunderts provozierte: Yousuf Karsh.
Zwei Jahre später erhielt er den Auftrag, in England rund 40 führende Politiker, Militärs, Künstler, Schriftsteller und die zukünftige Queen Elizabeth zu fotografieren. Jedes Foto führte zum nächsten. Die Mächtigen und Berühmten wollten ihr Porträt in die Karsh-Galerie.
Warum? Weil es Yousuf Karsh fern lag, in seinen Bildern eine Schwäche oder einen Widerspruch des Porträtierten zu enthüllen.

Seine Bilder zeigen, dass er in Gesichtern etwas Besonderes suchte, ein persönliches Momentum, diesen einen Moment der Glorie, der Rückstrahlung von Licht, wie es die Physik nennt. Er wollte das Wesen seines Gegenübers erkennen, um es zu erhöhen, Adoration statt Investigation. Oder, wie er es sagte: "Ein Schlaglicht auf jene Größe zu richten, die es verdienten, in die höheren Ränge der Menschheit einzugehen. Es ist der Einfluss des Pictoralismus, der seine Arbeiten durchzieht, die fotografische Betonung des Selbstverständnisses der Fotografierten."
Über die Jahre perfektionierte Karsh seine Kunst des psychischen Porträts. Wie schon bei Churchill schaffte es Karsh bei jedem "Sitter", mit seinem Licht und seiner Perspektive Empfinden in ein Bild zu verwandeln. Man merkt es, wenn man sich seinen Hemingway ansieht. Auf den ersten Blick ist es der unverwüstliche Schreiber, aber als das Foto 1957 entstand, litt Hemingway an Depressionen. Man sieht es auf Karshs Foto. Doch trotz der Erkennbaren Schwäche setzt Karsh ihn in ein Heldenlicht. In seinem ganzen Oeuvre aus über 15 000 Porträts gibt es so gut wie keinen Schurken und keinen Bösen. Er sah den Ruhm und die Macht vor seiner Kamera immer idealistisch: Courage, Intelligenz und Kraft. Der Fotograf inszenierte die Werte, so empfand es Karsh, die ihn aus seiner Kindheit gerettet hatten.

Yousuf Karsh, geboren 1908, in der Stadt Mardin, erlebte musste als Kind den ersten Weltkrieg und die Vertreibung und Ermordung Zehntausender Armenier aus dem Gebiet der späteren Türkei. 1922 floh seine Familie nach Syrien und die Eltern beschlossen, ihren Sohn aus der Hölle zu einem Onkel nach Kanada zu schicken. Nakash Karsh war Fotograf, Yousuf Karsh fing an, in seinem Studio zu arbeiten. Der Onkel erkannte das Talent des Neffen im Umgang mit Licht und schickte ihn zu einem befreundeten Porträt-Fotografen nach Boston. Dort begann Yousuf Karsh, sich das Handwerk der großen Fotografie in Schritten anzueignen, die sich ergänzten und seine große Kunst aufbauten. 1933 eröffnete er sein eigenes Studio. Sein Durchbruch kam 1941 mit dem Bild von Winston Churchill.
stern-Art Director Johannes Erler: "Wenn ich den Namen Yousuf Karsh im Zusammenhang mit stern Fotografie nannte, kam oft zögernd die Frage Wer? Ich sagte dann Das Hemingway Foto oder Audrey Hepburn von der Seite - und allen war klar, wer Yousuf Karsh ist. Ich glaube, das ist die größte Kraft, die ein Bild haben kann: dass man es nur erwähnt und es taucht im Gedächtnis wieder auf. Es gibt nicht viele Bilder, die es wie diese in unsere innere Galerie geschafft haben."

Alma Haser
stern Fotografie Talent 04: Die Porträtfotografie ist eine der ältesten Disziplinen der Fotografie, sie setzte fort, was zuvor die Porträtmalerei leistetet. Die Verewigung einer Person und ihres Ruhms für die Nachwelt. Auch die junge Fotografin Alma Haser hält sich zunächst an die formale Vorgabe, Kopf und Oberkörper zu zeigen. Doch erinnerhalb der Bilder experimentiert Haser mit ganz neuen, erstaunlichen Elementen, indem sie das Gesicht mit der Papierfalttechnik Origami sozusagen neu zusammenbaut und dem Original hinzufügt. Das anzuschauen ist ein bemerkenswertes optisches Abenteuer, Haser zeigt neue, multiple Möglichkeiten der Porträtfotografie. So etwas macht neugierig, und so muss junge Fotografie sein.

Art.-Nr. 971408
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